Saisonauftakt auf Mallorca

Die Segelsaison wurde von Manfed und Klaus dieses Jahr auf Mallorca eröffnet. Gesegelt wurde auf einer neuen Bavaria 40. Damit auch Ihr Lust auf die neue Saison bekommt, hat Manfred die Erlebnise der Woche zusammengefasst:

 

Törnbericht Mallorca/ Cala d´Or 09.03. – 16.03.2001

War das ein Schock!

Gegen 10.00 Uhr entsteigen Klaus-Peter (Kaleu der Skipper) und ich dem Condor Flieger aus Köln und ... es ist Frühling! Nach dem bereits schweißtreibenden Marsch über den Flughafen zum Gepäckband beschließen wir, unsere viel zu warmen Klamotten zu deponieren und, da unsere Mitsegler erst am späten Nachmittag eintreffen werden, eine Exkursion nach Palma zu unternehmen. Aber ganz so einfach ist das nicht, denn es gibt hier keine Gepäckaufbewahrung oder Schließfächer. Schließlich helfen uns die netten Kollegen von Condor und wir können unsere gesamten Plünnen bis zum Abend abstellen. (B eziehungen sind alles!)

Mit dem Bus geht´s in die Innenstadt und zum Hafen. Hier bekommt man schon einen Vorgeschmack auf die Menge und Größe der Yachten, die hier “HIP” sind. Mit 40Ft und ohne Porsche bist`e der absolute “Underdog”. Nur: Das gilt für Palma und bewegt werden müssen die Dinger dann auch noch, gell!   Die “Lady Mura” , das “Boot” des Leibarztes eines Scheichs sprengt dann alle Vorstellungskraft. Man könnte sie auch getrost ein Kreuzfahrtschiff nennen( ca. 130 Meter lang mit Sidedoore für den Ferrari, den Jaguar, den Rolls etc.)  Der Tag verstreicht dann recht kurzweilig bei einem Imbiß,  einem Bier und einem Bummel bevor wir, zurück am Airport,                     

Volker, Ivo, Carsten und Rene treffen und wie verabredet von Monika und Bernd (den Eignern “unserer” Yacht )  nebst Hund abgeholt werden. Dem Sonnenuntergang entgegen werden wir nach Cala d´Or chauffiert. Bevor wir uns für eine Nacht in der Villa von Bernd und Monika einquartieren, das Boot können wir erst am folgenden Morgen übernehmen, gibt’s noch eine Gratishafenrundfahrt. Den Abend verbringen wir mit den beiden und der Vorgängercrew in einem Super-Fischrestaurant am Yachthafen. Hier kocht der Chef selbst!  Mediterranen Fisch und Beilagen vom Feinsten. Ach ja, bei der Gelegenheit lernen wir uns dann auch erst mal kennen. Erfahrungen werden ausgetauscht, die folgende Woche durchgespielt, das Boot besprochen...und: ... die Chemie stimmt vom ersten Moment an. Also, nichts wie in die Koje, am Morgen die Bavaria übernehmen und dann nichts wie raus.

 

Samstag, 10.03.2001:

Naja, wie das beim einklarieren immer so ist: “Gut Ding will Weile haben!” Bis die alte Crew von Bord ist, die Putzfrau ihr Werk vollbracht hat, wir einkaufen waren (auch hierbei unterstützen uns die Eigner mit Rat und Tat) und das Schiff mit Checkliste wie es sich gehört übernommen ist (es gibt keine Beanstandungen!), ist es dann doch schon wieder früher Nachmittag. Daher beschließen wir übereinstimmend heute nur noch einen Eingewöhnungsschlag bis Puerto Colom und zurück zu machen. Bei dieser Gelegenheit wird alles in der Praxis gecheckt: Rollgroß, Rollfock, Funk, Kartenplotter, CD-Player, Ankerwinsch!...Alles vom Feinsten - Herz, was willst du mehr?

Am Abend Gönnen wir uns dann noch ein Mahl auf der Terrasse einer Pizzeria  Viele Restaurants haben noch geschlossen. Und nach einem Absacker in einer Hafenbar  dann...endlich mal wieder auf einem Boot pennen. Ich liebe es!

 

Sonntag, 11.03.2001:

 Nach einem gemütlichen Frühstück mit “türkischem Kaffee” (einen Filter gibt es noch nicht), verlassen wir Cala d´Or Richtung NE. Bei eher lauen Winden und Sonnenschein klönen wir den ganzen Tag. Jeder hat einen Schwank aus seinem (Berufs-)leben zu erzählen, einen lockeren Spruch oder einen (nicht immer jugendfreien) Witz auf Lager. Als uns die erste Delfinschule begleitet, lassen es sich Volker und Rene nicht nehmen, unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen natürlich, ein Bad im Mare nostrum zu nehmen (bei 14 C)...Brrrr...! Vorbei an Porto Christo, ich war das letzte Mal 1967 hier und erkenne die Küste nicht mehr wieder, nähern wir uns am späten Nachmittag  Cala Ratjada. Auf dem letzten Teilstück entlang der beeindruckenden Küstenberge droht uns noch eine Nebelbank, die sich wie eine Lawine über die Berge aufs Meere schiebt,  einzuholen und zu verschlingen. Aber wir schaffen es glücklicherweise noch so eben bis zum Gästelieger hinter einem Wellenbrecher im Vorhafen. Von einem Hafenmeister ( z.B. auch mit einem Toilettenschlüssel) keine Spur in dieser Jahreszeit. Also geht’s in ein uns avisiertes Fischrestaurant, in dem es auch empfehlenswerten andalusischen Schinken gibt...und Sangria natürlich..und.....!

 

Montag, 12,03.2001:

Nach einer entspannenden Nacht im Schutze der Mauer und dem obligatorischen Tanken (wenn man denn einen verantwortlichen Tankwart auftreiben kann!) soll es heute nach Menorca gehen. Es ist diesig und bedeckt, aber der Wind hat auf 3-4 Bft. aufgefrischt und auf SSE gedreht – Ideale Bedingungen für die Überfahrt also. Wir setzen den Kurs auf Cala St.Galdana ab, welche wir gegen 16.00 Uhr nach ca. 25sm,  pünktlich zum “Türkischen Kaffeetrinken” erreichen, begleitet “natürlich” wieder von einer Delfinschule und einer Meeresschildkröte (Wahnsinn!). Da uns die Bucht ob der Windverhältnisse und der vorhergesagten Entwicklung als zu unsicher für eine Übernachtung erscheint, lichten wir nochmals den Anker und verlegen uns  die 9sm bis nach Cala Santandria an der Westküste Menorcas. Um gegen alle Widrigkeiten gefeit zu sein und sonst kein Schiff in der Bucht zu sehen ist, werfen wir  einen zusätzlichen Buganker und bringen eine Heckleine an Land aus. Der Abend vergeht, während wir uns mit einem guten “Roten” verzaubern und fürstlich speisen. Bord-Boccuse Rene serviert “Phansasie und Schneegestöber”. Noch lange sitzen wir in der Pantry und schnacken “dumm Tüch”. Alle fühlen sich bestens.

 

Dienstag, 13.03.2001:

Wie sollen wir heute wieder nach Mallorca kommen? Leider haben wir nur eine Woche und können nicht noch die interessante Nordküste Menorcas ersegeln. Nach dem Frühstück weht immer noch ein laues Lüftchen aus WNW – und wir sind ja zum Segeln hier und nicht zum motoren! Kaum haben wir Cala Santandria verlassen, da frischt es bis 11.45 Uhr auf gute 5Bft.auf. Tendenz steigend! Der Wind dreht über W auf NW. Besser geht es nicht. Über das 1.Reff setzen wir gegen 14.00 Uhr das 2., da der Windmesser in Böen 6 –7 Bft.(>30 kn) anzeigt. Wir experimentieren  ein wenig mit Groß und Fock, um das Boot neutral aufs Ruder zu legen, was dann auch gelingt. In unsere Verbesserungsliste für Bernd schreiben wir, daß Markierungen am Großbaum sehr nützlich sein könnten. Die See hat sich auf 2,5 – 3 Meter Wellen aufgebaut und mir steht wieder der jetzt schon angestammte Platz des Navigators zu. Neptun sei Dank, daß ich bisher mit Seekramkheit noch keine Probleme hatte!

Aus der Plicht dringen dann auch wohlgemeinte Ratschläge an mein Ohr:

“Das beste ist jetzt ein wenig Zartbitterschokolade und ein paar Pfefferminzdrops.”

“Warum?” frage ich.

“Dann schmeckt das Unaussprechliche wenigstens nach “After eight”!” Ha, ha, ha !

Ich lege “Raiders on the storm” von den Doors in den CD-Player und drehe die Außenlautsprecher auf volle Lautstärke.

In der Bucht von Alcudia läßt dann der Seegang etwas nach und wir laufen gegen 18.30 Uhr nach fast 40sm im Yachthafen ein. Auch hier liegen Megayachten, aber es ist noch soviel Platz, daß wir längsseits anlegen können. Römisch-katholisch muß ja nicht immer sein, oder?

Die Marina ist perfekt ausgestattet und der “Geldeintreiber” ist uns behilflich mit den Wasser- und Stromanschlüssen. In einer gemütlichen Bar beenden wir nach einem opulenten Mal an Bord und dem obligatorischen, verzaubernden Sangria den langen Tag.

Nachtrag/ Ergänzung: Die sanitären Anlagen sind bestens gepflegt und  stehen in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Wie es in der Hauptsaison aussieht kann ich nicht beurteilen.

 

Mittwoch, 14.03.2001:

Wir wollen versuchen bis Cala d´Or zurückzukommen, da wir morgen Besuch an Bord erwarten. Zunächst läuft auch alles wunschgemäß. 3-4 Bft. aus W, d.h. einen schönen Raumschotkurs. Im Laufe des Tages schläft der Wind jedoch immer mehr ein. Nachdem wir die NE-Ecke bei Cala Ratjada umrundet haben, ist absehbar, daß es ein Nachttörn werden wird. Daher gibt es ein Bauernfrühstück und ein Schläfchen an Deck. Bei 1 – 2 Bft., danach Flaute, wird die Zeit lang. Als uns nach Einbruch der Dunkelheit “Rasmus W.” ganz im Stich läßt, beschließen wir, den Motor zu Hilfe zu nehmen. Die Navigation ist bei guter Sicht kein Problem, auch wenn die Leuchtfeuer eher spärlich sind. Gegen 21.30 Uhr machen wir in der Box in Cala d´Or fest.

 

Donnerstag, 15.03.2001:

Pünktlich um 10.00 Uhr kommt unser Besuch. Bernd bringt uns seine charmante Tochter Nadine an Bord, damit sie ihre ersten Segelerfahrungen sammeln soll. Natürlich gelten seine ersten Blicke dem Schiff. Wir haben uns ins Zeug gelegt und alles auf Vordermann gebracht (Schneckchen in den Tampen inclusive!).

Wir wollen noch einen gemütlichen Tagestörn machen. Trotz aller Bestechungsversuche mit einem leckeren Schluck Rotwein und anderen Spezereien weigert sich Nadine standhaft den Kochlöffel zu schwingen. Selbst der Charme von Rene und Volker vermögen sie nicht zu überzeugen,  ausgehungerten Seebären nach einer Woche  Hausmannskost (...das ist natürlich Quatsch!) ein Mahl zu bereiten. Daß sie daher einige Sprüche erntet ist klar, oder? Andererseits war das sowieso nicht vorgesehen. Nach einem Besuch in Cala Figuera ankern wir gegen Nachmittag in Cala  Mondrago. Mit dem Dingi verholen wir uns an Land und genießen die Sonne und einige Drinks in der noch wenig bevölkerten Strandbar.  

Gegen 17.30 Uhr sind wir zurück in Cala d´Or. Leider wird unser Besuch bereits erwartet und kann nicht mehr beim “Klar – Schiff” helfen.

Die Woche ist schon wieder um und wir feiern noch einen langen “vorläufigen” Abschiedsabend. Denn, wenn alles gut geht, wollen wir wiederkommen. Auch wenn wir uns vorher nicht kannten – es war eine Super-Woche. Ich habe neue Leute kennengelernt, mit denen man auch längere Törns unternehmen kann. Wo jeder weiß,  wann, was, wo und wie zu helfen und Hand anzulegen ist. Wir haben viel Spaß gehabt und  sind nebenbei noch knapp 160sm gesegelt.

“This is the End”..., auch das ist von den Doors,... klingt aus den Lautsprechern, und...

 

Freitag, 16.03.2001:

... nachdem das Boot ordnungsgemäß übergeben ist und die nächste Crew schon wartet, bringen uns Monika und Bernd zurück zum Flughafen. Dort gilt es noch schnell im “Duty-free”  Palo und “103” einzukaufen und die warmen Schuhe und Jacken für Deutschland wieder auszupacken. Wir verabschieden uns mit einem herzlich Danke und “Auf Wiedersehen”. Allen nachfolgenden Crews, zu denen wir hoffentlich auch wieder gehören werden, wünschen ich...

 

     “Bon Vent” (so heißt das Schiff), Mast- und

     Schotbruch und immer eine handbreit Wasser

     unter´m Kiel

 

            ...stellvertretend für Carsten, Ivo, Rene, Volker und Kaleu (Skipper Klaus-Peter)

 

     Manfred Könen (Chef- Navigator!)

           

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